Sabatina James: In Pakistan gibt es keine Gerechtigkeit für Christen

VERFOLGUNG Seit einigen Jahren ist es ruhig geworden um die pakistanisch-österreichische Buchautorin und Menschenrechtlerin Sabatina James (37). idea-Redaktionsleiterin Daniela Städter hat mit der ehemaligen Muslima und jetzigen Katholikin, die wegen ihres Glaubenswechsels bedroht wird und sich für verfolgte Christen einsetzt, telefoniert.

Wo sie sich während unseres Gesprächs befindet, verrät Sabatina James nicht. Es spiele keine große Rolle und diene ihrem Schutz, sagt sie. Kontakt zu ihrer Familie hat sie nicht. Rückblick: James kam als Zehnjährige aus Pakistan nach Österreich. Ihr Vater wollte sie mit einem Cousin verheiraten, der sie wiederholt sexuell missbrauchte. Sie tauchte unter und wurde Christin. Weil sie bedroht wurde, kam sie in ein Opferschutzpro-gramm, schrieb drei Bücher, äußerte sich vor allem 2014 und 2015 in deutschsprachigen Medien kritisch über den Islam. Konvertiten, sagt James, müssen häufig mit Einschränkungen rechnen: „Wer vom Islam zum Christentum konvertiert, muss mit Drohungen aus der Familie rechnen. Wer den Glaubenswechsel öffentlich macht, bekommt die Drohungen zusätzlich von den Islamisten, von denen wir überall auf der Welt reichlich unter uns haben. Man kann also nicht mehr sagen: Ich fliehe von einem Ort zum anderen und dann wird es viel besser.”

Sklaverei im 21. Jahrhundert

Da ihr Geburtsland Pakistan ist, liegt auch der Schwerpunkt des 2006 von ihr gegründeten Vereins „Sabatina” auf dem islamisch geprägten Land. Viele Christen würden als Sklaven in Ziegelfabriken festgehalten, dürften diese oft noch nicht einmal verlassen, um sich medizinisch versorgen zu lassen. Es gebe keine Schule für die Kinder, keine Kirche, keine Priester, Seelsorger oder Anwälte. Die örtlichen Mitarbeiter von „Sabatina” berichteten von Vergewaltigungen und grausamen Morden, die unbestraft blieben, erzählt James: „So sieht Sklaverei im 21. Jahrhundert aus.” Viele Kinder seien verwahrlost, da die Eltern den ganzen Tag zur Zwangsarbeit genötigt würden. Im Rahmen des Projektes „Operation Moses” gelinge es einheimischen Mitarbeitern aber immer wieder, „Christensklaven” zu befreien.

Christliche Mädchen werden entführt

Häufig werden in Pakistan zudem minderjährige Christinnen von Muslimen entführt, zwangsverheiratet und vergewaltigt. Schätzungen zufolge, die auch James für realistisch hält,

gibt es derzeit über 1.000 entführte christliche Mädchen, „wahrscheinlich sogar deutlich mehr”. Viele seien noch keine 15 Jahre alt. Meist passiere es auf dem Weg zur Schule oder zum Markt. Das Mädchen kehre nicht zurück, irgendwann erfahre die Familie, ihr Kind sei jetzt freiwillig Muslima und habe einen Muslim geheiratet. Regionale Gerichte entschieden häufig im Sinne der muslimischen „Ehemänner”. Der Verein versucht über lokale Kontakte, die Mädchen zu befreien. Einigen konnte er, so James, die Flucht aus Pakistan ermöglichen.

Keine irdische Gerechtigkeit

Die Katholikin erzählt den bereits einige Jahre zurückliegenden Fall des muslimischen Rechtsanwalts Muhammad Naeem. Bei ihm habe die junge Christin Shazia Bashir als Hausangestellte gearbeitet. Eines Tages soll er sie so schwer misshandelt und missbraucht haben, dass sie wenig später an ihren Verletzungen gestorben sei. Ein Sabatina-Mitarbeiter habe die Leiche gesehen. Auf ihrem Körper seien Zigaretten ausgedrückt worden: „Sie war doch erst zwölf!” Naeem wurde angeklagt, aber freigesprochen. Im Himmel, da ist James überzeugt, wird es einen „gerechten Richter” geben. Doch im irdischen Leben können pakistanische Christen oft nicht mit Gerechtigkeit rechnen. Um zumindest einigen misshandelten christlichen Hausmädchen zu helfen, habe der Verein das Schutzhaus „Mary’s Refuge” (Marias Zuflucht) in der pakistanischen Provinz Punjab eingerichtet.

Schutzhaus in Deutschland

In Deutschland betreibt er ebenso ein Haus für schutzlose Frauen — in welchem Bundesland es sich befindet, verrät James nicht. Dort könnten sowohl muslimische Frauen unterkommen, die von ihrer Familie zwangsverheiratet wurden, als auch ehemalige Muslimas, die zum Christentum konvertiert sind. Rund 50 Anfragen bekomme der Verein jährlich. Die Mitarbeiter hülfen den Frauen unterzutauchen und leisteten rechtlichen Beistand. In dem Haus könnten parallel bis zu drei Frauen untergebracht werden, Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen begleiteten sie, sagt James: „Unser Konzept ist langfristig und familiär.”

Probleme nicht herunterspielen

Die Bedrohung von muslimischen Frauen und Mädchen in Deutschland sei real, betont James. Auch hierzulande würden sie von ihren Ehemännern oder Vätern gezwungen, sich zu verschleiern oder zu Hause zu bleiben: „Das ist nicht nur mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht vereinbar, sondern führt ebenso zu einem weiteren Anstieg der bereits vorhandenen Parallelgesellschaften. Das wiederum bedeutet mehr Angriffe auf Christen, Juden und ‚ungehorsame Frauen, mehr Schläge und mehr Friedensrichter.” Sie warnt davor, die mit der Flüchtlingswelle verbundenen Integrationsprobleme herunterzuspielen: „Wenn die Anhänger eines undemokratischen Islamismus in immer größeren Maßen herkommen dürfen, wird die Demokratie ernsthaft gefährdet.” Sie betont, dass sie die muslimischen Migranten für die Einstellungen gar nicht verantwortlich machen wolle: „Wir können von ihnen keine demokratische Haltung erwarten, wenn sie in ihren Herkunftsländern seit ihrer Geburt nichts anderes gehört haben als das, was die gesamte islamische Staatengemeinschaft vor 30 Jahren in der, Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam’ proklamiert hat — nämlich, dass Muslime und Nichtmuslime sowie Männer und Frauen nicht gleichberechtigt sind.” (Mehr Informationen über die Kairoer Erklärung unter idea.de/ lessenthin)

Was sich ändern müsste

Wie könnten Veränderungen aussehen? „Wir müssten in Europa den muslimischen Flüchtlingen deutlich machen, dass sie die Gewalt des Propheten Mohammed nicht zum Vorbild nehmen dürfen und undemokratische Islamisten wieder in ihre Heimatländer zurückschicken.” Gleichzeitig dürfe man das Problem der mangelnden Integration nicht nur auf die Zuwanderer abwälzen, betont James. Wenn Christen ihren Glauben stärker öffentlich lebten, würden viele Muslime von selbst erkennen: „Die Friedensbotschaft Jesu ist besser als Mohammeds Scharia und der Dschihad.”

Ein Vorrecht, für Jesus zu leiden

Bedauert es Sabatina James manchmal, in die Öffentlichkeit gegangen zu sein? Dass sie seit Jahren ihre Eltern und ihre drei Geschwister weder gesprochen noch gesehen hat? James verneint: „Es ist kein schönes Gefühl, verfolgt zu werden, aber es wäre eine größere Tragödie, nicht für Jesus leiden zu dürfen.”

 

ideaSpektrum 39.2020