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Zwangsehen und häusliche Gewalt im Namen der Ehre sind auch in der Schweiz ein Thema, wenn auch oft nur im Verborgenen.

Sie wohnen und arbeiten unter uns, oft schon in zweiter Generation. Doch trotz guter Integration ist ihr Denken anders geprägt und kann auch vor unserer Haustür zu Gewalt und Mord führen.

Sie werden gezwungen, jemanden zu heiraten den die Familie ausgewählt hat – gegen ihren ausdrücklichen Willen. Sie sehen sich gezwungen, bei ihrem gewalttätigen Ehemann zu bleiben, weil ihre gesamte Grossfamilie sich gegen sie stellen würde, sollten sie aus dieser Situation ausbrechen. Auch bei uns! Allein die Fachstelle Zwangsheirat des Bundes hat im vergangenen Jahr weit über 300 Betroffene beraten, unter ihnen auch eine steigende Zahl Minderjähriger. Sie sind Gefangene der Ehrkultur, deren Denken so ganz anders ist als unseres. Während europäische Eltern ihre kleinen Kinder mahnen:
«Das darfst du nicht machen, das ist falsch!», sagen Erwachsene in Ehrkulturen: «Das ist eine Schande!» Anfangs mag der Unterschied nicht gross auffallen, aber er ist riesig. Man ist in dieser Kultur gezwungen, sich bei allem, was man tut und sagt, zu überlegen, wie die Anderen darüber denken, und muss jede Situation vermeiden, die als Sünde oder Schande gewertet würde. Der Erfolg einer Grossfamilie hängt von ihrem Ruf ab, und der kann schnell ruiniert sein.

Gute Noten der Kinder, eine tolle Ausbildung, Gastfreundschaft, Mut, offensichtliche Religiosität, Kontrolle über die
Frauen der Sippe – all das trägt zu grosser Ehre bei. Wenn jedoch Kinder ungehorsam sind oder gar jemand aus dem
Clan ausbricht, indem er z.B. gegen den Willen der Eltern heiratet oder eine fremde Religion annimmt, verliert die
ganze Familie ihr Gesicht. Fehlverhalten ist also nicht die Sache einer einzelnen Person sondern betrifft automatisch
die ganze Sippe.

Solange die vermeintliche Schande noch nicht öffentlich geworden ist, kann man eine «gefallene» Tochter einem
Verwandten im Herkunftsland als Zweitfrau anbieten.
Wenn jedoch das Fehlverhalten der Tochter öffentlich geworden ist, muss sie deutlich bestraft und im schlimmsten
Fall sogar getötet werden, um die Ehre wiederherzustellen – auch hier, in unseren Städten und Dörfern, in unserem
direkten Umfeld.

Verschiedene Medien bringen solche Schicksale in all ihren Facetten bis in unser Wohnzimmer. Sie lösen Betroffenheit aus, aber auch Ratlosigkeit. Wie können wir solche sozialen Zwänge und Ehrendelikte in unserem Land erkennen, entlarven und verhindern? Wie können wir Betroffenen helfen und ihnen zu einem Leben in Freiheit und Würde verhelfen?